"Meine erste Performance"

Von Ole Soul




Ich war 12 jahre alt, extrem vorlaut und das mittlere Kind, welches ja bekanntlich mehr oder weniger von den Eltern unbemerkt seinen ganz eigenen Weg einschlagen kann. Mein Vater Lehrer, meine Mutter Hausfrau im klassischen und besten Sinne, gab es eigentllich keine weiteren Vorzeichen für das, was nun passieren sollte.

So trieb ich weitestgehend unbemerkt, mein manchmal sehr böses Spiel mit den Lehrkräften des Gymnasiums in Schenefeld, einem kleinen Vorort von Hamburg. Auch der junge, motivierte Musik Referendar musste leiden, wenn mich während des Unterrichts, dem ich eh nicht zu folgen pflegte, für das Missbrauchen sämtlicher im Raum befindlicher Musikinstrumente begeisterte...ein erstes Zeichen?

Eines Tages betrat ich mit meinen Klassenkameraden den Musikraum und ein merkwürdiges, unterschwelliges aber eindringliches Brummen begrüsste uns. Wir setzten uns nach dem üblichen Unterrichtsbeginn-Tumult und mussten feststellen, dass am Platz des Lehrers ein Mikrofon auf einem Stativ in Stellung gebracht wurde. Links und rechts des Pultes waren zwei imposante Lautsprecher aufgestellt, aus denen auch dieses permanente Geräusch drang, so als drehte man zu Hause die Anlage bis ans Limit, ohne dass ein Musikstück zu hören war. Dann betrat der junge Herr Pässler die Bühne des Geschehens und begrüsste uns mit den Worten "Leider geht es nicht mehr anders!", was die jungen Rebellen inklusive mir zu noch lauteren Schreien animierte.

 

Er erklärte uns, dass er sich, aus Rücksicht auf diejenigen welche dem Unterricht noch folgen wollten, für diese Methode entscheiden musste, da es sonst kein akkustisches Durchkommen mehr gäbe. So wurde es zwar tatsächlich noch um ein Vielfaches lauter, aber der ein oder andere der "Guten" konnte wohl doch so manches Wort verstehen.

Als der eifrige Referendar, wie unter Lehrern bekanntlich üblich, den Klassenraum zu Zwecken der Vervielfältigung von Unterrichtsmaterial verlassen musste, verging kaum eine Sekunde und ich ergriff das aufgestellte Mikrofon. Unter dem begeistertem Jubel meiner Mitschüler, begrüsste ich die gesamte Klasse erneut und fing an Fragmente von Songs zu brüllen, auf den Tisch zu klettern und immer lauter und schon fast wie in Trance zu performen. Ich schloss die Augen und fühlte ein bisher unbekanntes Gefühl, eine Mischung aus Euphorie, Scham jedoch nicht mehr zurück können und Lust auf ungeteilte Aufmerksamkeit.

 

 

Dann kamen mir Melodien in den Sinn "Sex Machine" kannte ich und ein paar Bluesmelodien von den "Commitments". Der junge Sänger Andrew Strong begeistere derzeit mit seiner ungewöhnlichen Stimme- die Klassentür ging auf!

Ich sprang vom Tisch an meinen Platz zurück und versuchte ein möglichst unschuldiges Gesicht zu machen, doch ich wurde bereits von einigen Mitschülern entlarvt, die wohl einer Klassenstrafe entgehen wollten. "Ich möchte Dich nach der Stunde mal sprechen Ole!" sagte er.

Statt des von mir erwarten Donnerwetters hiess es aber "Ole, Du hast eine aussergewöhnliche Stimme, ich würde Dir gerne dabei helfen, eine Band für Dich zu gründen!" Von nun an nahm des (Un)Glück seinen Lauf! Das war mein erstes Mal!

(c) Ole Soul, 2009.

Ole Feddersen/OleSoul; Songwriter und Sänger; diverse Veröffentlichungen als Solokünstler; Bundesvision Songcontest für Hamburg; singt gerne die Classics von Marvin Gaye bis Ray Charles